Schyren-Gymnasium Pfaffenhofen
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Ein Theaterstück zu inszenieren, ist gar nicht so einfach

„The making of“ der Aufführungen des Besuchs der alten Dame von Friedrich Dürrenmatt am Schyren-Gymnasium.
In seiner letzten schulischen Inszenierung zeigte Lorenz Kettner nochmals, wie man mit sparsamen Mitteln, einem Allzweckbühnenbild und hoch engagierten Schauspielern – Lehrer und Schüler des Schyren-Gymnasiums schlüpften in die Rollen der Bürger einer Kleinstadt –beeindruckende Aufführungen einer bitterbösen Komödie bewerkstelligt.

Um aber so eine Aufführung auf die Bühne zu bringen, sind nicht nur die geeigneten Schauspieler nötig, sind nicht nur Überlegungen zur Inszenierung und zum Bühnenbild anzustellen. Ebenso wichtig sind Kontakte, zum Beispiel zum Theater Ingolstadt wegen Requisiten, zu Sponsoren zur Finanzierung des Programmheftes und zur Deckung weiterer Kosten. Nötig sind ein eingespieltes Technikteam, das jederzeit für den richtigen Ton und die passenden Lichtverhältnisse sorgt, und Maskenbildner und Requisiteure. Schließlich muss man an die inhaltliche und graphische Gestaltung des Programmheftes und rechtzeitige Drucklegung denken.
Und dann heißt es proben, proben, proben, für ...

Die Besucher: Claire Zachanassian: Ilona Buhn; Gatte VII-IX: Benjamin Schaper; Der Butler:  Roland Scheerer; Toby:  Konstantin Schütz; Roby:  Titus Schütz; Koby:  Felix Lempp; Loby: Julius Schubring;
Die Besuchten: Ill:  Wolfgang Zeilhofer; Seine Frau:  Susanne von Koch; Seine Tochter:  Carina Gargitter; Sein Sohn:  Tobias Heinemann; Der Bürgermeister: Reinhard Haiplik; Der Pfarrer:  Peter Feßl; Der Lehrer:  Markus Fiederer; Der Arzt:  Peter Ringlstetter; Der Polizist:   Alexander Pfefferler; Bürgerin:  Clarissa Zigan; Bürgerin:   Annemarie Haunz; Bürger/Hofbauer:   Cornelius Mil1er; Bürger/Hehnesberger   Matthias Böhm; Der Maler:  Florian Späth; Erste Frau:  Kristina Milz; Zweite Frau:  Lisa Gmür;
Die Sonstigen: Zugführer:  Alexander Helm; Pfändungsbeamter: Tobias Heinemann; Reporterin:   Anna Fröhlich; Turner:   Tobias Heinemann; Chor:   Unterstufenchor (Leitung: Christiane Sauer); Plakatentwurf:   Anna Schirmer; Bühnenbild:   Wahlkurs Bühnenbild; Beleuchtung: Byron Baus / Andreas Dimmelmeier / Johannes Salvermoser; Programmheft:  verantwortlich: L. Kettner / Johannes Obermaier; Maske: Team "Maske"; Ton:  Andreas Heckmeier / Johannes Obermaier / Michael Lettrich; Video-Aufzeichnung:  Videogruppe EVO; Regieassistent:   Felix Lempp; Einstudierung:  Lorenz Kettner;

Deshalb dankte der Schulleiter Hans-Günter Gessler auch den diesjährigen Abiturienten Kristina Milz, Felix Lempp und Julius Schubring, die weiterhin der Schule als Schauspieler zur Verfügung stünden.

Der Fachschaft Kunst, speziell Anna Maria Schirmer, wurde für das Programmheft und das Bühnenbild gedankt.

Gewürdigt wurden auch die Licht- und Tontechniker, das Theater Ingolstadt, die Videogruppe EVO, und die zahlreichen Sponsoren, speziell die Firma McDonalds, die finanziell und kulinarisch die Inszenierung unterstützte.

Was ist die Welt?
Die Welt ist absurd, sinnlos. Die Werte, an die ein Mensch glaubt zu glauben, erweisen sich als nicht durchhaltbar – so die Quintessenz des Stückes „Der Besuch der alten Dame“ von Friedrich Dürrenmatt, das am letzten Wochenende im Schyren-Gymnasium Pfaffenhofen aufgeführt wurde. Brecht sagte einmal: „Erst kommt das Fressen, dann kommt die Moral.“ Genau so verhalten sich die Einwohner des Städtchens Güllen, die jederzeit einen heiligen Eid auf ihre Überzeugungen leisten würden, dann aber in gefühlter Not recht schnell bereit sind, ihre Werte auf dem Altar des Mammons zu opfern.

„Gerechtigkeit kaufen“ will Claire Zachanassian - Ein Widerspruch in sich, wie ihn Dürrenmatt liebt. Und so kommt es, dass für das Versprechen, eine Milliarde zu erhalten, die Bewohner Güllens letztlich allesamt bereit sind, dafür Alfred Ill, den ehemaligen Geliebten von Claire, der in ihrer Schuld steht, zu töten.


Eine Komödie? Ja, weil der Zuschauer als Beobachter nur amüsiert den Kopf schütteln kann über den Werteverfall in Güllen, ja, weil es auch immer wieder witzige Wortspiele gibt.

Ob allerdings der Besucher merkt, dass auch er auf die Probe gestellt wird in seinem moralischen Empfinden im Vergleich zu seinem tatsächlichen Tun? Das unmoralische Angebot im Namen der Gerechtigkeit macht es auch dem Zuschauer nicht leicht, denn es fragt sich: „Was sind wir bereit, für viel Geld zu tun?“
Wenn vielleicht der eine oder andere sich auch nach der Aufführung diese Frage nicht gestellt hat, sehr gut unterhalten gefühlt hat er sich sicherlich. Das lag an der hervorragenden Auswahl von Lorenz Kettner im Hinblick auf die Darsteller. Gerade auch die „kleinen Rollen“, nicht zuletzt die beiden Kastraten und die beiden Bodyguards von Claire, waren unglaublich gut besetzt.

Fangen wir bei der „alten Dame“ – Ilona Buhn - an: Sie verkörperte sowohl das Verruchte als auch das Feine und das Perfide zugleich in sehr überzeugender Weise. Ihr Widerpart, Alfred Ill, in Szene gesetzt von Wolfgang Zeilhofer, spielte so überzeugend, dass es einem wirklich in die Knochen fuhr. Reinhard Haiplik als Bürgermeister spielte den Politiker – oder spielte der Politiker den Bürgermeister? Jedenfalls gelang es ihm, diese Rolle gut auszufüllen.

Eine Überraschung stellte Markus Fiederer als von Gewissensnöten geplagter Lehrer dar. Gerade seine moralischen Bedenken kamen trotz gespielter Trunkenheit hervorragend über die Bühne.

Peter Feßl gab den Ortsgeistlichen und spielte seine Rolle sehr überzeugend. Hier wäre eine Frage an die Regie zu stellen: Ist eine Mönchskutte wirklich passend für die Rolle eines Pfarrers in Güllen? Ein unnötiger Gag, für den Schweizer Pastorensohn Dürrenmatt war der Pfarrer sicherlich nicht katholisch.

Die übrigen Darsteller, deren Rollen typenhaft sind, machten ebenfalls ihre Sache sehr gut. Sie blieben sich treu, auch wenn ihre Haltung zu Ill sich veränderte, und zeigen damit, wie manipulierbar das so genannte gesunde Volksempfinden ist und wie oberflächlich moralische Werte im Menschen verankert sind.
Neben einer perfekt funktionierenden Licht- und Tontechnik muss auch das absolut gelungene Bühnenbild, das von Anna Maria Schirmer stammt, erwähnt werden.

So hat schließlich die alte Dame für sich Gerechtigkeit realisiert, indem sie sie kaufte.

Dass das Verhalten der Bürger Güllens gegenüber Ill nicht gerecht ist, ist die Kehrseite der Medaille – und das ist typisch Dürrenmatt: Positive Werte durchzusetzen, gelingt bei ihm immer nur, indem man Mittel einsetzt, die im Widerspruch zum Wert selbst stehen: Die Welt ist absurd.


Hans-Georg Haehnel



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